Adventkalender 2025
Tür 25
Schöne und erholsame Feiertage wünschen herzlichst …

Foto: ©-ingorack
Leif Hansen & Roberto Tarpini im Namen des gesamten Heuneburg-Teams<o :p></o>
(Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart)<o :p></o>
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Tür 24
Ein hallstattzeitlicher ‚Heiligenschein‘
Vorstellungen einer mit Wasser und chthonischen (‚unterweltlichen‘) Mächten verbundenen Mystik prägten das Weltbild vieler prähistorischer Kulturen. Eine kleine, nur 19 cm große, menschengestaltige Keramikstatuette aus Mönchstockheim in Unterfranken (DE) erlaubt einen seltenen Einblick in die Glaubensvorstellungen der Eisenzeit. Beifunde und C14-Datierung weisen in die Hallstattzeit, den älteren Abschnitt der europäischen Eisenzeit (800–450 v. Chr.).
Die abstrakte, archaisch wirkende Figurine einer Frau fand sich in einem verlandeten Wasserloch, in dem sie gemeinsam mit einem Keramikstempel, Gefäßscherben und Knochengerät niedergelegt (oder versenkt?) wurde. Den Kopf der Kultfigur umgibt eine scheibenförmige Zier, in die ringförmig um das Gesicht vielleicht organischer Schmuck, wie Federn, Fellhaare oder Holznadeln eingesteckt war. Prunkvolle Frisuren oder Hauben mit Schmucknadeln oder Kugeln aus Bronze, Gold oder Koralle waren Teil der hallstattzeitlichen Frauentracht. Sie umrahmten Kopf und Gesicht wie ein Strahlenkranz und umgaben die Person – ähnlich wie der Heiligenschein der christlichen Muttergottes – mit einer sakralen Aura.
Die trichterförmige Eintiefung in Mönchstockheim führte zur Zeit der Niederlegung der Figur noch Wasser, weshalb die Verbindung mit dem kostbaren, lebensnotwendigen Nass eine erste Deutung als „Wassergöttin“ plausibel erscheinen ließ. Die Auffindungssituation spiegelt jedoch nur den letzten Moment in der Geschichte des Kultbildes wieder. Ihre Zerstörung und Deponierung geschah vermutlich im Rahmen religiöser Handlungen, die mit der Niederlegung des Kultobjekts im jenseitsbezogenen Unterweltmilieu von Quellen, Brunnen, Seen und Mooren ihren Abschluss fanden. Ob das Kultbild zuvor in einem Ahnenkult, der verehrten Vorfahren einen ‚heiligen‘ Status zusprach, bei Schutz- oder Fruchtbarkeitsriten Verwendung fand, bleibt indes offen.
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Bildnachweis: © Archäologische Staatssammlung, Foto: S. Friedrich
Holger Wendling (Archäologische Staatssammlung München)
Tür 23
Take 23: Behind the Scenes – Ein Imagefilm der Zeiteninsel entsteht
Ein Museum, das seiner großen Eröffnung im Sommer 2026 entgegenfiebert, braucht natürlich einen Imagefilm. So starteten im März 2025 die Dreharbeiten mit Viviane Schottler (@le.singe.zinzin) – Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin aus Berlin. Gemeinsam mit ihrer Schwester, die die Kamera führte, entstand ein Kurzfilm, der die Atmosphäre und den besonderen Geist der Zeiteninsel einfängt.
Hinter Tür Nr. 23 zeigen wir einen Eindruck von einer Szene der AG „Eisenzeit“. Der fertige Film wird im neuen Jahr auf unserer Webseite veröffentlicht.
Die Zeiteninsel ist ein gemeinschaftliches Projekt vieler engagierter Akteurinnen und Akteure aus der Region. Es lebt von Ehrenamt, Begeisterung und Leidenschaft für die Archäologie.
Für die letzten Baumaßnahmen werden noch finanzielle Mittel benötigt.
Wer mithelfen möchte, kann dies auch aus der Ferne tun, indem er uns mit einer Spende unterstützt:

Heidi Geschwind (Zeiteninsel - Archäologisches Freilichtmuseum Marburger Land)
Tür 22
Die Schnabelkanne vom Glauberg – feucht-fröhlich ins Jenseits
Im Museum der Keltenwelt am Glauberg gehört die bronzene Schnabelkanne aus dem frühlatènezeitlichen Grab 1 zu den Highlights. Dieses kunstvoll gefertigte und reich verzierte Gefäß zeichnet sich durch seinen langen Ausguss aus, der ihm den Namen „Schnabelkanne“ verlieh.
Zum Zeitpunkt der Beisetzung war die Kanne mit dem Ansatz für etwa 4 Litern Honigwein gefüllt – ein kostbares Getränk, das im Jenseits sicher für eine fröhliche Feier hätte sorgen sollen. Im Gegensatz zu ihren etruskischen Vorbildern sind keltische Schnabelkannen deutlich schlanker und mit eher konkaven Formen gestaltet. Ein weiteres Beispiel dafür ist die stilistisch sehr ähnliche Schnabelkanne vom Dürrnberg bei Hallein.
Interessant beim Fund vom Glauberg ist die Darstellung eines Mannes mit einem Linothorax – einer speziellen, aus dem griechisch/etruskischen Bereich stammenden Körperpanzerung – auf dem Rand der Glauberger Kanne. Dieses Motiv ist auch an der berühmten Sandsteinstatue vom Glauberg zu sehen. Die Fabelwesen an seiner Seite gehören zum typischen Formenkanon der keltischen Kunst.
Diese ist bekannt für ihre Fähigkeit, zahlreiche kulturelle Einflüsse – wie u.a. etruskische und vorderasiatische Elemente – aufzunehmen, jedoch nie zu kopieren. Stattdessen schaffen die Kelten eine einzigartige, eigene Formensprache, wie dies eben auch die Darstellung des „Herrn der Tiere“ zeigt, bei dem ein Mensch zwischen zwei Fabelwesen steht.

Bildnachweis: Pavel Odvody, hessenARCHÄOLOGIE
Axel Posluschny (Archäologisches Landesmuseum Hessen,
Keltenwelt am Glauberg)
Tür 21
Ein bronzenes Ritualgefäß aus Hallstatt mit sonnensymbolischer Bedeutung
Der 21. Dezember ist der Tag der Wintersonnenwende mit dem kürzesten Tag und der längsten Nacht. Auf der Nordhalbkugel weist die Sonne dabei die geringste Mittagshöhe über dem Horizont auf. Zusammen mit der Sommersonnenwende am 21. Juni stellt dieser Tag innerhalb des Jahresrhythmus einen wichtigen astronomischen Fixpunkt dar, ab dem die Tage schließlich wieder länger werden und ein Ende der kalten Winterszeit erhofft werden durfte.
Die Sonne als Licht-, Wärme- und Lebensspenderin findet sich (nicht nur) in prähistorischen Gesellschaften in unzähligen symbolhaften und chiffrenartigen Darstellungen wieder, von – um nur einige zu nennen − einfachen Kreisen, Kreuzen, Swastikamotiven, Sonnenrädern bis hin zu Vogelkopfbarken, die die tägliche Fahrt der Sonne über das Firmament darstellen.
Gleich mehrere dieser Sonnensymbole finden sich bemerkenswerterweise auf einem der herausragendsten Fundstücke aus dem eisenzeitlichen Gräberfeld von Hallstatt wieder: In dem im Jahr 2010 von Anton Kern untersuchten, reich ausgestatteten Grab 98 aus der Zeit um ca. 600 v. Chr. wurde ein Bronzegefäß in Form eines Beckens mit einem separat angesetzten Henkel in der Form einer Kuh mit dahinterstehendem Kälbchen entdeckt. Ein gleichartiges Gefäß wurde bereits 1858 vom seinerzeitigen Bergmeister Johann Georg Ramsauer in Grab 671 gefunden. Dieses stellt bis heute eines der Prunkstücke aus dem Hallstätter Gräberfeld dar, dem nun sein Zwilling zur Seite gestellt werden kann, dessen Kuh mit unterschiedlichen Sonnensymbolen reich verziert ist. Neben einem einfachen Kreis mit zentralem Punkt, einer Swastika und einem vierspeichigen Radsymbol bilden zwei Vogelkopfbarken einen Symbolkanon, den wir heute freilich nicht mehr zu deuten wissen. Bemerkenswert ist, dass die Verzierungen als Eisentauschierung in den bronzenen Figurenkörper eingearbeitet worden waren. Wozu diese sogenannten Kuh-Kälbchen-Gefäße ursprünglich dienten, entzieht sich unserer Kenntnis. Ob sie tatsächlich – wie oft beschrieben − als Schöpfgefäße im Rahmen eines Rituales Verwendung fanden, sei einmal dahingestellt.
Im Übrigen würde die längste Nacht am 21. Dezember dem/der Betrachter:in eigentlich viel Zeit bieten, selbst Gedanken über die einstige Funktion des Gefäßes anzustellen und seiner/ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen...
Aufbewahrungsort: Naturhistorisches Museum Wien

Georg Tiefengraber (Naturhistorisches Museum Wien, Prähistorische Abteilung)
Tür 20
Ein besonderes Weihnachtsgeschenk
Auf den ersten Blick wirkt die Heuneburg von außen wie eine geschlossene Einheit. Aber sollen wir Euch etwas verraten? Die Heuneburg ist ein vielfältiges Netzwerk aus Institutionen, Organisationen und engagierten Menschen, die gemeinsam Geschichte erlebbar machen. Mittendrin sind wir, vom Verein Heuneburg Museum e.V. Als Geschichtsbegeisterte haben wir die beste Position überhaupt und das große Glück, in einer professionellen Umgebung mit vielen Experten zusammenarbeiten zu dürfen. Neben den Fachleuten des Landesamts für Denkmalpflege, die unsere Vereinsprojekte beratend unterstützen und dem Team der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, das den Rahmen schafft, um kreative Ideen zu verwirklichen, haben wir weitere spannende Schnittstellen und auch intern einiges zu bieten. Mit dem Fachwissen unserer Mitglieder aus Pädagogik, Biologie und Handwerk, Archäologie und Touristik konnte schon so manche Herausforderung bewältigt werden.
Jetzt zur Weihnachtszeit sind wir besonders dankbar für diese Gemeinschaft. Zumal uns das Landesamt für Denkmalpflege schon vorab ein wunderbares Geschenk beschert hat mit der Veröffentlichung von „Kelten in Baden-Württemberg“ https://rps.baden-wuerttemberg.de/presse/artikel/die-kelten-in-baden-wuerttemberg-neue-publikation-gibt-faszinierende-einblicke-in-die-welt-der-kelten/. Das umfassende Gesamtwerk wird sich unter vielen Weihnachtsbäumen finden und wir freuen uns sehr auf gemütliche Stunden mit dieser weitreichenden Lektüre, die uns bei zukünftigen Fragestellungen eine große Hilfe sein wird. Eine schöne Weihnachtszeit und viel Spaß beim Schmökern wünscht der Verein Heuneburg Museum e.V. und die Keltengruppe Heuneburg.
Weitere Infos gibt’s auf @keltenheuneburg oder https://www.heuneburgverein.de/index.php/wir-ueber-uns/4-keltengruppe-heuneburg.

Foto: Keltengruppe Heuneburg
Keltengruppe Heuneburg
Tür 19
A Mötschwil-type fibula with use-wear traces from Wrocław, Graniczna Street
We are not sure whether this Celtic fibula arrived at a settlement inhabited by the Przeworsk culture people as a Christmas gift, but it would definitely make a great one.
Microscopic observations of this piece revealed that it was unlikely to have been reserved for special occasions and had been eagerly used before its deposition in a settlement pit. The crack near the spring indicates material wear at the location where it was most heavily loaded during fastening and unfastening. The catch plate shows polished spots, likely caused by the pin moving across it. Additionally, traces of production, such as wire drawing, hammering, and grinding, were identified on the surface. Mötschwil-type fibulae are considered indicative of phase La Tène C2, that is, decades around the mid-2nd century BC.
The results are part of the ongoing project “Between the Celts and the Northern People”: https://latene.ff.cuni.cz/, https://www.facebook.com/LaTeneProject/


Joanna Markiewicz (Institute of Classical Archaeology, Charles University)
Tür 18
Es ward Licht
Saubere und leistbare Energie ist eines der zentralen Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (https://unric.org/de/17ziele/). Wir als ArchäologInnen erforschen die lange Geschichte von Feuer und Licht. Vor 400.000 Jahren beherrschen wir bereits die Kunst Feuer zu machen (https://www.nature.com/articles/s41586-025-09855-6) und bereits im Paläolithikum brennen Fettlampen in der Höhle von Lascaux (https://archeologie.culture.gouv.fr/lascaux/de/die-beleuchtung).
Leuchtspäne haben schon vor Jahrtausenden und bis vor kurzem Licht in Bergwerken vom nahen Osten bis in die Alpen gespendet. In den prähistorischen Kupfer- und Salzbergwerken der Alpen haben sich große Mengen dieser „Lichtspender“ erhalten. Um die bronzezeitlichen und auch die ältereisenzeitlichen Abbaue in Hallstatt ausreichend mit Licht zu versorgen, waren jeden Tag tausende exakt gespaltene, einen Meter lange Tannenspäne notwendig. Durch den immensen Bedarf an Spänen muss davon ausgegangen werden, dass eine Person „hauptberuflich“ nur für die Herstellung, das Trocknen und Verpacken derselben zuständig war. Auch das „Licht Machen“ war alles andere als einfach. Viele Versuchsreihen haben gezeigt, dass ein Bündel aus vier bis fünf Spänen bis zu einer halben Stunde Licht spenden kann. Damit das aber gelingt, muss das Spanbündel ständig gedreht und im richtigen Winkel gehalten werden.
Gerade weil die Herstellung und auch die Handhabung der Leuchtspäne so aufwändig war, verwundert es, dass speziell im bronzezeitlichen Bergbau von Hallstatt sehr häufig nur halb abgebrannte Späne im Betriebsabfall liegen blieben. Fassen wir hier „Energieverschwendung“ vor 3000 Jahren, oder steckt etwas anderes dahinter?
Die über 20.000-jährige Geschichte von künstlichem Licht zeigt, dass Licht bis vor wenigen Jahrzehnten nicht anonym war – nur wenn genug Leuchtspäne, Kerzen, Petroleum oder Gas vorhanden waren, war es auch hell. Wir zählen zu den Ersten, die nicht mehr über Licht nachdenken müssen, wir drücken einfach auf den Schalter. Deshalb ist es gerade heute sehr schwer, verantwortlich mit Energie umzugehen – Energie ist beinahe unsichtbar, scheinbar immer ausreichend vorhanden und absolut nicht mehr „greifbar“ und per Knopfdruck verfügbar.
Die Auseinandersetzung mit Licht und Feuer vor Jahrtausenden und Jahrhunderten kann dazu beitragen, über unseren Umgang mit Energie heute zu reflektieren. Nach dem Motto: Wenn wir wissen, wie wir zu der Kreuzung gelangt sind, an der wir gerade stehen, können wir leichter entscheiden, wohin die weitere Reise gehen soll.

Hans Reschreiter (Archäologe, Mitglied von Orbis Ferrorum)
Tür 17
Ein goldenes Schiff für den Nikolaus
„Wir gehen unter!“ riefen die Männer in ihrer Seenot auf dem Weg nach Konstantinopel laut der Sage. In ihrer Verzweiflung schrien sie um Hilfe, und ein Mann erschien, der ihnen half, das Schiff zu retten. Erst nachdem die Überlebenden notgedrungen in einen fremden Hafen eingelaufen waren, stellte sich heraus, dass der unbekannte Mann Nikolaus von Myra war.
Das Schiff war zwar mit reichen Schätzen beladen, bestand jedoch nicht vollständig aus Gold. Dafür findet sich am Dürrnberg bei Hallein ein kleines Schiffchen mit zwei feinen Rudern aus Gold. Das nur 6,6 cm große Miniaturschiff weist sogar eine herausgetriebene Hohlkehle auf.
Dieses fragile Objekt wurde im außergewöhnlich reichen Grab 44 vom Moserstein 1959 von W. Mittermayer und E. Penninger gefunden. Diese zweiphasige Doppelbestattung lässt sich einerseits spätestens in die Hallstattzeit datieren, das Schiffchen selbst mit seinem Bestatteten jedoch in die Frühlatènezeit. Das Boot wurde neben einem Schwert aufgefunden; auch Sanzenoschalen, Münsinger Fibeln und eine Bernsteinkette deuten auf die besondere Stellung des Verstorbenen hin.
Das Miniaturschiff wird oft mit einem Einbaum verglichen und verschiedene Ansätze versuchen, das kleine Goldobjekt mit originalen Holzkonstruktionen in Verbindung zu setzen. Miniaturboote sind weltweit verbreitet und treten in unterschiedlichsten Materialien auf: Neben Gold wurden auch Bronze oder Ton verwendet. Unbestreitbar ist jedoch, dass das Material Gold dem Boot einen hochwertigen Charakter verleiht. Ob dabei bereits von einer sakralen Deutung oder einer Votivgabe gesprochen werden kann, lässt sich für das Objekt am Dürrnberg nicht eindeutig sagen. Vielmehr wird ein Zusammenhang mit dem Verstorbenen angenommen, dass das Miniaturschiff symbolisch seine Tätigkeit im Diesseits widerspiegelt und weniger ein rituelles Kultobjekt für die Reise ins Jenseits darstellt.
Unzweifelhaft ist, dass das Schiff der Seemänner in Not besser nicht aus purem Gold gewesen wäre, da hätte selbst der Heilige Nikolaus die Schiffsfahrer nicht retten können…
Besuchen Sie uns doch in Hallein und staunen Sie über weitere außergewöhnliche Funde: https://www.salzburgmuseum.at/haeuser/keltenmuseum/

Foto (AR_1959_0213): ©Keltenmuseum Hallein
Julia Haas (Keltenmuseum Hallein)
Tür 16
Ein Wochenende, das nachklingt
In der stillen, funkelnden Adventszeit erinnern wir uns gern an besondere Momente des vergangenen Jahres – und einer davon war unser ÖGUF Graz Wochenende. Vom 10. bis 12. Oktober 2025 machten wir uns auf den Weg in die steirische Landeshauptstadt, um neue Eindrücke zu sammeln und uns studienübergreifend besser zu vernetzen. Ziel der Exkursion war nicht nur das gegenseitige Kennenlernen, sondern auch ein intensiver Einblick in archäologische Institute, Museen und Forschungseinrichtungen, die Graz zu bieten hat.
Ein Höhepunkt war zweifellos der Besuch des Archäologiemuseum Schloss Eggenberg (https://www.museum-joanneum.at/archaeologiemuseum-schloss-eggenberg) in Graz. Besonders die eisenzeitlichen Funde der Steiermark haben uns nachhaltig beeindruckt: die Maske von Kleinklein, der Kultwagen von Strettweg sowie die vielfältigen Artefakte aus den sogenannten „Fürstengräbern“. Diese außergewöhnlichen Objekte ließen uns tief in die Vergangenheit eintauchen – ein Erlebnis, das uns noch lange begleiten wird.


Fotos: Julia Unger
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Julia Unger (Österreichische Gesellschaft f. Ur- und Frühgeschichte)
Tür 15
Ältestes Goldtextil
Strahlendes Gold als Einstimmung zur Weihnachtszeit: ein Depot von eindrucksvollen Goldobjekten, darunter ein Bündel von Goldfäden, die drei verschiedene, sorgfältig gefaltete Textilien durchwirkten. Das Fasermaterial ist vergangen, jedoch lässt die Dichte darauf schließen, dass die Textilien flächig mit dem Gold verziert waren.
Das Prunkstück wurde 2021 bei einer Rettungsgrabung (Novetus) in Ebreichsdorf (Niederösterreich) im Zuge des Ausbaus der Pottendorfer Linie (ÖBB) bei einem ehemaligen Wasserlauf entdeckt. Sehr ähnliche Funde sind zum Beispiel vom Arikogl (Oberösterreich) oder aus Óbuda (Ungarn) bekannt und datieren alle um 1100 v. Chr.
Doch wofür wurden diese Goldtextilien verwendet und warum wurden sie sorgfältig deponiert? Sowohl das Material als auch die Technik sprechen für sehr hochwertige Objekte, die wohl einer religiösen oder politischen Elite vorbehalten waren. Womöglich wurden die Textilien zu speziellen Anlässen getragen oder präsentiert. Allerdings wurden sie durch das kompakte Falten unbrauchbar gemacht. Handelt es sich vielleicht um eine rituelle Deponierung, etwa für eine Wassergottheit?
Das strahlende Gold passt jedenfalls gut in die Weihnachtszeit und kann in der Goldkammer des NhM Wien bestaunt werden https://www.nhm.at/ausstellung/dauerausstellung__schausammlung/hochparterre/urgeschichtebrsaal_11-13 !

Bild: Rausch Andreas/Novetus
Kayleigh Saunderson und Karina Grömer (ArchTexLab NhM Wien,
Mitglieder von Orbis Ferrorum)
Tür 14
Schreiben, lesen, rechnen – die Kelten konnten’s!
Zivilisation bedeutet Schrift! Obwohl jedoch Bevölkerung und Städte der jüngeren Latènekultur (250–30 v. Chr.) als ‚Oppidazivilisation‘ apostrophiert werden, scheint die Schriftlichkeit der späten Kelten im Vergleich zu den zeitgleichen Mittelmeerkulturen ein marginales Phänomen zu sein. Dabei beschreibt einer der Hauptgewährsmänner zur Kultur der Kelten oder Gallier, der römische Feldherr und Politiker C. Iulius Caesar mehrfach, dass die Menschen der transalpinen Welt Briefe schrieben oder Einwohnerlisten führten – ganz ähnlich der Volkszählung, die laut Gebot des Kaiser Augustus in Galilaea durchgeführt wurde. Reste hölzerner Wachstäfelchen, in die derlei Informationen und Texte geritzt wurden, haben sich zwar nicht erhalten, jedoch sind in den latènezeitlichen Großsiedlungen und Oppida unterschiedlichste Arten des instrumentarium scriptorium, des Schreibwerkzeugs erhalten: Spachtel zum Ausstreichen des Wachses, Griffel oder stili aus Eisen oder Knochen, Zirkel für geometrische Konstruktionen oder Siegelringe zur Bestätigung von Verträgen und Briefen. Neben wenigen konkreten Schriftzeugnissen, die sich mitunter als Ritzungen auf Keramikscherben finden, belegen zwei einzigartige Funde aus der keltischen Donaumetropole bei Manching in Oberbayern (DE) den alltäglichen Umgang mit Griffel und Schreibtafel: Auf zwei Bleigewichten ist der Torso eines Mannes dargestellt, der in seinen verschränkten Armen eben jene Kommunikationswerkzeuge hält. Zwar sind Griffel, Schreibtafel und Feinwaage für das ungeübte Auge heutiger Betrachter zunächst schwer zu erkennen, sie belegen jedoch, dass derlei Gerät für die Menschen vor etwa 2.100 Jahren durchaus kein ungewohnter Anblick war. Vielleicht galten sie als Attribute der auf dem Gewicht dargestellten Person. Sie können wir vielleicht als ‚keltischen Merkur‘, als Gott des Handels und der Kaufleute identifizieren, von dem Caesar behauptet, er sei der Wichtigste der gallischen Götter. Kaum zu bezweifeln, dass ein solcher Gott, dass Schreiben und Messen für die Menschen in der global agierenden Wirtschaftsmetropole von zentraler Bedeutung waren – Schade nur, dass ihre Zivilisation keine literarischen Texte hinterlassen hat!
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Bildnachweis: © Archäologische Staatssammlung, Foto: S. Friedrich
Holger Wendling (Archäologische Staatssammlung München)
Tür 13
Erzherzog Johann und die Negauer Helme
Im Jahr 1811 wurde auf einem Acker in der Herrschaft Negau, dem heutigen Negova in Slowenien, ein Hort aus 25 eisenzeitlichen Helmen geborgen. Dieser Depotfund war namensgebend für einen speziellen Helmtyp mit einer steilen, spitzzulaufenden Kalotte und einer breiten Krempe. Die sogenannten „Negauer Helme“ sind mit Kreisaugen und Palmetten verziert und zeigen zum Teil Kampfspuren.
Im Jahr der Auffindung des Hortes wurde durch Erzherzog Johann mit dem „Joanneum“ auch ein Museum in Graz gegründet, wohin die Helme zunächst eingesendet wurden. Entsprechend einem damals geltenden Fundgesetz mussten jedoch alle Helme and das Wiener Münz- und Antikenkabinett abgeliefert werden. Der Intervention von Erzherzog Johann ist es zu verdanken, dass fünf Helme wieder an das Joanneum zurückgegeben wurden. Sie sind heute im Archäologiemuseum in Schloss Eggenberg in Graz zu sehen: https://www.museum-joanneum.at/archaeologiemuseum-schloss-eggenberg . Die restlichen Helme verblieben in Wien und sind in der Antikensammlung im Kunsthistorischen Museums ausgestellt: https://www.khm.at/kunstwerke/negauer-helm-mit-inschriften-65444 und https://www.khm.at/kunstwerke/negauer-helm-mit-harigast-inschrift-65446 . Die Fotomontage nimmt ironischen Bezug auf diese forschungsgeschichtliche Begebenheit.

Daniel Modl (Universalmuseum Joanneum,
Abteilung Archäologie & Münzkabinett)
Tür 12
Ein Geschenk für Weihnachten?
(Werbung)
„Salzbergtod“ – Historischer Roman aus der Hallstattzeit (400 v. Chr.)
Auch in Band 3 der Salzberg-Reihe steht der Salzort Hallstatt im Mittelpunkt. Weitere Schauplätze sind Traunkirchen, das Innviertel und der Linzer Raum. Wie immer verknüpft Prähistorikerin Jutta Leskovar archäologische Inhalte mit einer spannenden Handlung.
Zum Inhalt: Das Bergwerk in Hallstatt floriert, doch das Land ist durch neue Machthaber und eine fremde Religion verändert. Adine, die zukünftige Bergherrin am Großen Salzberg, hat vor Jahren überraschend ihre Ziehfamilie und ihre Jugendliebe Sam verlassen. Sie kämpft gegen alte Ängste und darum, Sam zu vergessen. Gleichzeitig soll sie das Rätsel um wertvolles Salz lösen, das auf dem Weg zum Kleinen Salzberg verschwunden ist. Denn der Frieden zwischen den Bergen muss um jeden Preis erhalten bleiben.
Das Vorbild für den Vogel am Cover stammt vom Dürrnberg bei Hallein.

Jutta Leskovar (Autorin;
OÖ Landesmuseum, Abt. Ur- und Frühgeschichte)
Tür 11
Die frühe Eisenzeit in Böhmen und die interregionalen Kontakte
Die Publikation konzentriert sich auf die Problematik der Fernkontakte zwischen dem Gebiet Böhmen und angrenzenden Regionen sowie dem Mittelmeerraum während der frühen Eisenzeit. Das Projekt fasst alle wichtigen Gruppen archäologischer Funde zusammen, die entweder ihren Ursprung im antiken Mittelmeerraum, auf der Apenninenhalbinsel oder in Norditalien haben. Neben direkten Importen berücksichtigt das Projekt auch Funde, die als Nachahmungen südlicher Vorbilder verstanden werden können.
Die Beziehungen zwischen dem Süden und dem Norden lassen sich nicht nur anhand von Beispielen beweglicher materieller Kultur untersuchen, sondern auch anhand von Beispielen des Ideentransfers, die ihren Ursprung im Süden haben. Auch solche Studien sind in das Habilitationsprojekt einbezogen. Eine wichtige Frage im Zusammenhang mit den Importen ist ihre Funktion als Marker verschiedener Landverbindungen zwischen dem böhmischen Becken, den angrenzenden Regionen und der Apenninen- bzw. Mittelmeerregion. Das Projekt fasst außerdem alle wichtigen Ergebnisse der analytischen Methoden zusammen, die in der böhmischen Forschung zu exogenen Artefakten oder interregionalen Kontakten angewandt wurden.

Martin Trefný (J. E. Purkyně University Ústí nad Labem/
Friedrich-Alexander Universität Erlangen/Nürnberg, Mitglied von Orbis Ferrorum)
Tür 10
The treasure from Křenůvky ‒ one of the most beautiful hoards from the Bronze Age in Moravia (Czechia)
In the spring of 1925, a collection of bronze artifacts was discovered on the "Nivky" track, which is now located in the Březina Military Area. The find lay in a pit 0.6 meters deep and contained four bronze vessels of the Jenišovice-Kirkendrup type. The arrangement consisted of three inverted bronze cups placed inside each other according to size, with the fourth, smallest cup placed upside down on top of them. Underneath the cups were phalerae – decorations probably from horse harnesses – and two rod-shaped bracelets. The entire arrangement was surrounded by spiral bracelets, which also covered it from above. In addition, richly decorated shield fibulae were found at a distance of approximately 1.5 meters.
The objects found were handed over to A. Gottwald by the mayor of Křenůvky, who obtained them from the original finder. The whole hoard weighs approx. 3.147 kg. The find dates back to the Ha B1 period, i.e. the Final Bronze Age, and, based on its composition, most likely belonged to the elites of that time. The items could have been used to represent the elites at opulent banquets, as well as possibly for religious ceremonies. Today, the find is stored in the Prostějov Museum: https://muzeumpv.cz/.

Foto: Zuzana Golec Mirová
Zuzana Golec Mirová (Department of Archaeology, Charles University Prague;
Institute of Archaeology of the Czech Academy of Science, Prague. ,)
Tür 9
Repliken eisenzeitlicher Münsinger Fibeln vom Dürrnberg bei Hallein
Der Dürrnberg bei Hallein ist ein einzigartiger Fundort für die Eisenzeit und ihre Erforschung in Mitteleuropa. Von dort sind auch einige sogenannte Münsinger Fibeln erhalten, benannt nach dem Gräberfeld Münsingen-Rain in der Schweiz.
Diese zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Fibelfuß in eine runde Scheibe ausläuft, der mit Korallenauflagen verziert sein kann. Sie datieren in die Stufe Latène B.
Beide Fibeln wurden damals in Zusammenarbeit mit dem Keltenmuseum Hallein angefertigt. Der ehemalige Leiter Herr Mag. Zeller ermöglichte es, Abdrücke von den Originalen zu bekommen. Es handelt sich um Fibeln aus Grab 318 und Grab 228#2.
Die Fibeln sind sehr gut in den neuen Dürrnberg-Forschungen (Band 8 bzw. 9) publiziert. Mittlerweile sind schon über 10 Bände veröffentlicht worden. Die Publikationsreihe findet man hier:
https://www.keltenmuseum.at/duerrnberg-forschungen/


Foto der Replik: Patrick Meyer Foto der Originalfibel aus Grab 228#2 Inventarnummer: AR 1981_0626: ©Keltenmuseum Hallein
Patrick Meyer(#projektlatene)
Tür 8
Ein Helm erzählt vom antiken Frankfurt
Helme vom Typ Port entwickelten sich aus spätkeltischen Vorbildern, die die Römer im Gallischen Krieg kennenlernten und schnell übernahmen. Sie wurden bis in augusteische Zeit weiterentwickelt und beeinflussten den späteren römischen Helmtyp Weisenau. Typisch sind die gerippte Nackenkante und die markanten, wie „Augenbrauen“ wirkenden Verzierungen (nach Thomas Fischer, Armee der Caesaren. Archäologie und Geschichte, Verlag Friedrich Pustet 2012, S. 144 ff.).
Die archäologischen Bodenfunde sprechen dafür, dass die Römer in den Jahrzehnten um Christi Geburt im Rhein-Main-Gebiet auf eine einheimische Bevölkerung aus Kelten / Galliern und nach und nach aus dem Inneren Germaniens zugewanderten Gruppen trafen. Welche ethnische Identität die damalige Bevölkerung empfand und inwieweit sie sich zusammengehörig fühlte, bleibt aufgrund des Fehlens diesbezüglicher schriftlicher Nachrichten unbekannt.
Der Bronzehelm eines römischen Soldaten aus vermutlich Frankfurt am Main-Heddernheim hat Stich-/ Hiebspuren in der Kalotte. Er ist bis zum 26. April 2026 in der Sonderausstellung „Frankfurts römisches Erbe. Archäologie einer lebendigen Vergangenheit“ im Archäologischen Museum Frankfurt zu sehen. Weitere Informationen findet ihr unter https://www.archaeologisches-museum-frankfurt.de/index.php/de/ausstellungen/frankfurts-roemisches-erbe
Bildunterschrift: Der Bronzehelm eines römischen Soldaten hat Stich-/ Hiebspuren in der Kalotte. Der aus keltischen Vorbildern entwickelte Typ wurde häufig vom römischen Militär genutzt.
Helm vom Typ Port
Frankfurt am Main-Heddernheim(?)
Buntmetall
2. Hälfte 1. Jh. v. Chr. – 1. Viertel 1. Jh. n. Chr.

Foto: U. Dettmar, AMF
Maria Meßner & Holger Kieburg (Archäologisches Museum Frankfurt)
Tür 7
Ein einst golden funkelnder Ring aus Bronze
Der Bronzearmreif aus Traunkirchen am Traunsee gehört zu jenen Schmuckstücken, die weit mehr waren als bloße Zierde. Solche Wellenrandreifen wurden in der späten Bronzezeit nicht nur als persönlicher Schmuck getragen, sondern dienten auch als Zeichen sozialer Zugehörigkeit, als wertvolle Tauschobjekte oder sogar als symbolische Statusmarker innerhalb der Gemeinschaft. Die sorgfältige Gestaltung zeigt, welche Bedeutung Bronze damals hatte – sie war ein kostbares Material, dessen Verarbeitung Wissen, Handel und Handwerk verband.
Der Fundort Traunkirchen am Traunsee ist zudem ein bedeutender prähistorischer Siedlungsplatz in Oberösterreich. Hier befindet sich nicht nur eine hallstattzeitliche Pfahlbausiedlung, sondern auch eines der größten Gräberfelder aus der Urnenfelder- und Hallstattzeit. Traunkirchen war für urgeschichtlichen Handel und Verkehr im Alpenraum wichtig. Heute liegt der Armreif im Heimathaus Vöcklabruck, wo er wie ein kleines, stilles Geschenk aus der Vergangenheit daran erinnert, wie lange uns der Wunsch begleitet, Wertvolles zu bewahren und weiterzugeben. Ein 3D-Modell des prähistorischen Schmuckstücks findet sich auch im PfahlbauKompass: https://kompass.pfahlbauten.at/fundstueck/hhvt12
Noch mehr Funde aus Traunkirchen lassen sich auch im Gemeindeamt Traunkirchen in den Ausstellungsräumlichkeiten des Vereins ArcheKult bewundern: https://www.archekult-traunkirchen.at/
Datierung: Späte Bronzezeit – frühe Eisenzeit (Urnenfelderkultur bis Hallstattzeit, ca. 1100–700 v. Chr.)
Literatur: Markus Hochhold, Der Wandel der Grab- und Beigabensitten am Übergang von der Bronze zur Eisenzeit im ostalpinen Raum. Ein regionaler Vergleich am Beispiel des urnenfelder- und hallstattzeitlichen Gräberfeldes von Traunkirchen, OÖ; In: Dissertation zur Erlangung des Doktorats am Institut für Ur- und Frühgeschichte, Wien 2016.

Foto: Tauchprospektionen am Traunsee 2021 und der Armreif aus Traunkirchen, Traunsee (OÖ) © Kuratorium Pfahlbauten
Helena Seidl da Fonseca (Kuratorium Pfahlbauten)
Tür 6
Dichter und Sänger der Hallstattzeit
Lieder, Erzählungen und Epen vermitteln in allen schriftlosen Kulturen der Welt wichtige Botschaften und Informationen. Sie erzählen von Erschaffung und Ende der Welt, von Göttern und Helden, von Abenteuern und Mythen, von Kriegen, Liebe und Hass. Als einer der größten Ependichter der ‚Alten Welt‘ gilt der griechische Sänger Homer. Selbst ein Mythos, ist über sein Leben nur wenig bekannt: Um 700 v. Chr. schuf er im griechischen Kleinasien (vielleicht auf Samos?) die Epen Ilias und Odyssee als unerreichte erste Höhepunkte europäischer Kultur- und Geistesgeschichte. Ob er die Erzählungen um den Trojanischen Krieg und Odysseus‘ Irrfahrten allerdings ‚nur‘ niederschrieb, ist unklar. Vermutlich bediente er sich einem Repertoire mündlicher Verserzählungen und Lieder, die kombiniert und bunt ausgemalt seit Generationen an den Höfen der nachmykenischen Eliten Griechenlands vorgetragen und rezitiert wurden. Aus dem prähistorischen, schriftlosen Kontinentaleuropa kennen wir solche Erzählungen leider nicht. Die Kulturen der Bronze- und Eisenzeit jenseits der Alpen bleiben gewissermaßen stumm. Vereinzelt finden sich Musikinstrumente, die zeigen, dass man sich auch hier an Liedern, Gesang und schönen Worten erfreute. Noch seltener sind Bilder von Musikern oder Dichtern, die ihr Können zum Besten gaben. Einzigartig sind die Zeitgenossen des großen Homer, die auf Keramik der älteren Eisenzeit (8.–6. Jh. v. Chr.) aus Schirndorf in der Oberpfalz (DE) begegnen. Auf fünf Gefäßen zweier Gräber der dortigen Grabhügelnekropole sind ‚Strichmännchen‘ zu erkennen, die in Händen ein stilisiertes Saiteninstrument, offenbar eine Leier oder Lyra halten. Wie weitere Piktogramme von Wagen, Hirschen, Ziegen oder Steinböcken umschreiben die Sänger oder Barden wichtige Elemente des hallstattzeitlichen Weltbildes. Trotz der stilisierten Ikonographie meint man geradezu der epischen Erzählung über einen eisenzeitlichen Helden oder der Totenklage auf einen mächtigen Gutsbesitzer lauschen zu können – dass die transalpinen Dichter indes um ihren berühmten Sängerkollegen im fernen Süden und seine Abenteuergeschichten wussten, mag man getrost ins Land der Mythen und Sagen verweisen…
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Foto: © Archäologische Staatssammlung, S. Friedrich
Holger Wendling (Archäologische Staatssammlung München)
Tür 5
Der Prunkwagen von Mitterkirchen
Rot wie der Krampus selbst präsentiert sich der rekonstruierte Prunkwagen aus dem reichsten Frauengrab von Mitterkirchen. Aus einer komplexen Fundsituation ohne Räder, Unterkonstruktion oder Deichsel wagte sich Chefausgräber Manfred Pertlwieser in den 1980ern an eine mutige Rekonstruktion. Der Wagen besteht aus lose ineinander gezapften Holzteilen, deren präzise Zusammenfügungsreihenfolge seine Stabilität bestimmt. Die rote Farbgebung folgt archäologischen Hinweisen: Rot spielte im Totenkult seit der Jungsteinzeit eine rituelle Rolle. Beim Wagen bildet es einen starken Kontrast zu den glänzenden Bronzebeschlägen und der schwarzen Lederbespannung. Vielleicht hätte selbst der Krampus gern ein solches Gefährt gefahren. 2026 startet eine neue Sonderausstellung, die den Prunkwagen und die Mobilität in der Hallstattzeit spannend beleuchtet. Wer neugierig geworden ist: Mit den Osterferien öffnet das Museum wieder!
Nähere Informationen unter www.keltendorf-mitterkirchen.at
Fotos: ©Keltendorf Mitterkirchen
Elisabeth Leitner (Keltendorf Mitterkirchen)
Tür 4
Kleine Perlen mit großer Wirkung
Diese kleinen Perlen mit gelber Ringaugen- oder Wellenbandzier auf dunkelblauer Matrix stammen aus dem hallstattzeitlichen Gräberfeld von Statzendorf, Niederösterreich. Das birituelle Gräberfeld wurde zwischen 1902 und 1925 ausgegraben und umfasste 337 Brandbestattungen sowie 38 Körperbestattungen. Glasperlen wurden in beiden Grabtypen gefunden, doch die Mehrzahl der Glasfunde lässt sich heute keinem spezifischen Kontext mehr zuordnen und wird als Streufunde gewertet. In ihren Dimensionen und ihrer Machart sind die 122 kleinen Perlen mit Ringaugen- oder Wellenbandzier Vergleichsstücken aus Verucchio in Italien äußerst ähnlich. Dies belegt Kontakte bzw. Handelsbeziehungen zwischen dem Traisental und Oberitalien in der frühen Eisenzeit.
Weiterführende Literatur: Katharina C. Rebay, 2006, Das hallstattzeitliche Gräberfeld von Statzendorf, Niederösterreich: Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie, Bonn: Habelt.

Fotos: Christoph Bieber @ UHA Wien
Katharina Rebay-Salisbury (Universität Wien, ÖAW)
Tür 3
Crotalia - ein römischer Verkaufsschlager
Von Ägypten bis Großbritannien, von der Türkei bis Spanien: Diese typischen Ohrringe aus dem 1. und 2. Jahrhundert waren im gesamten römischen Reich beliebt und wurden nicht nur von Römerinnen getragen. Crotalia, so der Name dieser Ohrringe zeigen, dass weltweiter Handel ein Phänomen ist, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Die zeitlose Eleganz dieser Schmuckstücke wirkt auch in die Gegenwart hinein, weshalb auch die hier gezeigten Repliken auch heute noch ein Verkaufsschlager sind.
Wenn ihr euch für historischen Schmuck interessiert, dann schaut doch unter https://orniello.com/Orniello bei ihrem Shop vorbei!


Repliken von Orniello
Lydia Valant (Archäologin, Schmuckkünstlerin & ao. Mitglied von Orbis Ferrorum)
Tür 2
Ein prähistorischer (Weihnachts-)Braten?
Gab es urgeschichtliche (Weihnachts-)Braten? Aus welchem Tier wurde dieser gewonnen und wie erkenne ich menschliche Einflüsse?
Alle diese Fragen und noch mehr beantwortet Nisa Iduna Kirchengast im ÖGUF und BAG Archäozoologie Workshop am 12. Dezember 2025. Im Zentrum stehen Hands-on Übungen, die unmittelbar auf archäologische Feldarbeit zugeschnitten sind: Von der fachgerechten Bergung und Erstversorgung bis zur korrekten Bestimmung und Ansprache. Mit Hilfe von Originalfunden und umfangreichem Vergleichsmaterial lernen die Teilnehmenden, Tierknochenfunde zu erkennen, korrekt anzusprechen und bereits während einer laufenden Grabung kompetent einzuordnen.
Noch bis 10. Dezember 2025 kann man sich für den Workshop anmelden unter office@oeguf.ac.at
Link: https://oeguf.ac.at/veranstaltungen/event/archaeozoologie-workshop


Fotos: Nisa Iduna Kirchengast
Julia Unger (Österreichische Gesellschaft f. Ur- und Frühgeschichte)
Tür 1
Ein hallstattzeitliches Gebäude im Hochtal von Hallstatt
Ein Haus des Nikolaus’
Im Sommer 2025 wurde durch das Nhm-Wien in Kooperation mit der Salzwelten GmbH und der Salinen Austria AG im Rahmen der Maßnahme „Infrastrukturbereich“ nordwestlich der Seilbahn-Bergstation ein Siedlungsareal der älteren Eisenzeit entdeckt. Dabei konnte der vollständige Grundriss eines etwa 3 × 2 m großen Schwellbalkenbaus dokumentiert werden. Das Gebäude befand sich in einer Siedlungsschicht aus Tierknochen, Hüttenlehmfragmenten, Holzkohle und Keramik. Aufgrund eines Brandes blieb die Baustruktur außergewöhnlich gut erhalten. Unter den Befunden befand sich eine umgestürzte Holzwand mit horizontalen Spaltbohlen und Eckstehern, während andere Wandbereiche nur mehr durch Reste von Hüttenlehm sichtbar waren. Der Boden bestand aus Stampflehm mit eingebetteten, abgeflachten Rundhölzern als Kernkonstruktion. Ein etwa drei Meter langes, verkohltes Bodenholz wurde als Block für weitere Analysen geborgen. Das „Fundament“ bildete eine ebene Schicht aus Kalksteinbruchstücken mit Negativabdrücken der Schwellbalken. Am nordwestlichen Grabungsrand fanden sich zudem Reste eines weiteren Gebäudes. Es handelt sich um die ersten hallstattzeitlichen Siedlungsbefunde im Hochtal.
Weitere Informationen zu den Forschungen in Hallstatt findet ihr unter https://www.nhm.at/hallstatt/hallstatt


Bilder: G.Raab, NHM Wien 2025
Gerald Raab (Nhm Wien, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Obertageforschung Hallstatt)

